Man soll nicht Mühle noch Mühlstein pfänden;

denn wer das tut, pfändet das Leben.

Mose 24, 6

Die Geschichte der Mühlen beginnt vor etwa 23.000 Jahren mit dem Zermahlen von Wildgräsern zwischen Steinen.

 

Verbunden mit dem Beginn des Ackerbaus durch sesshaft gewordene Nomaden vor ca. 10.000 Jahren wurde die Zerkleinerung dann zur Notwendigkeit, die auch zu dieser Zeit noch mit Hilfe von Reibsteinen geschah: auf einem flachen Bodenstein wurde mit einem zweiten, abgerundeten Stein das Getreide zerrieben.

 

Später wurden Mörser verwendet, in denen das Getreide zerstampft wurde. Aus diesen Mörsern entwickelten sich allmählich sog. Trog- bzw. Handmühlen, bei denen in einem gleichmäßig ausgehöhlten Bodenstein ein Drehstein mittels eines Handgriffs in drehende Bewegung versetzt wurde. Jeder Haushalt besaß so eine Mühle und sie galt bereits in den ältesten Gesetzen als unpfändbar.

 

Nachfolgend finden sich durch Tierkraft angetriebene Mühlen. Der Dreh- oder Läuferstein wurde mit einer Deichsel ausgerüstet und in einem immerwährenden Kreislauf dreht das Tier den Läuferstein auf dem Bodenstein und zermahlt dabei das Getreide zwischen den beiden Steinen. Anstelle der Tiere wurden vielfach auch Menschen für diese Arbeit eingesetzt.

 

Die nächste Stufe in der Entwicklung der Mühlentechnik stellt die Erfindung des Wasserrades dar. Rund 3000 Jahre v. Chr. legten die Sumerer im Zweistromland Mesopotamien Felder mit Bewässerungsgräben an. Treträder zum Schöpfen von Wasser auf die Felder waren bereits 1200 v. Chr. dort bekannt.  Aus diesen Tretmühlen wurde, wahrscheinlich um etwa 500 vor Christus, ein durch Wasserkraft angetriebenes  Wasserschöpfrad entwickelt, die sog. "Noria". Damit machte sich der Mensch zum ersten Male in seiner Entwicklungsgeschichte die Naturkraft zunutze.

 

Der römische Schriftsteller, Ingenieur und Architekt Marcus Vitruvius Pollio, Vitruv genannt (ca. 70–10 v Chr.)  beschrieb den Funktionsmechanismus einer "molina", in dem er ein Wasserrad mit zwei übereinander liegenden runden Mahlsteinen verband und konstruierte so die Grundform der uns bekannten Wassermühle, die bis ins 19. Jh. in ganz Europa verwendet wurde. Damit konnte anstelle der Muskelkraft von Tier und Mensch, die Kraft des Wassers, die um ein Vielfaches höher war, genutzt werden.

 

Im 4. Jahrhundert brachten die Römer Wasser- und Schiffsmühlen an die Nebenflüsse von Mosel und Rhein. Und damit trat dieser Meilenstein der Technikgeschichte seinen Siegeszug als damalige "High Technology" durch ganz Europa an.

Darüber, wo und wann die ersten Windmühlen in Europa entstanden, gibt es verschiedene Theorien. Die eine besagt, dass die Mauren die Technik nach Spanien mitbrachten, von wo aus sie sich über ganz  Europa ausbreitete. Immerhin stammt der erste Bericht darüber aus Spanien: Miguel de Cervantes beschreibt in seinem 1605 erschienenen Roman "El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha" vom legendären Kampf seines Helden gegen Windmühlen. Häufiger findet sich jedoch die Theorie, dass im Mittelalter Ritter auf ihren Kreuzzügen in Persien Windmühlen sahen und das Konzept anschließend in ihre Heimat exportierten.

 

Eine sehr lange Zeit war die Mühle in Europa die Universalmaschine, ohne die sprichwörtlich nichts ging. Diese für damalige Verhältnisse riesige Energie bewirkte eine Fülle von innovativen technischen Erfindungen. Durch die Antriebskraft ließ sich nahezu jedes Werkzeug bedienen, das durch eine Dreh- oder Schlagbewegung  angetrieben wurde. Nicht nur Getreidemühlen entstanden. Inzwischen kennt die Mühlenforschung über 160 technische Anwendungen, die sich von der Mühlentechnologie ableiten lassen. Es entstanden Sägemühlen, Bohrmühlen, Schleifmühlen, Dreschmühlen,  Hammermühlen, Wasserschöpfmühlen, Papiermühlen, Knochenmühlen, Kreidemühlen, Gipsmühlen, Buttermühlen, Senfmühlen, Ölmühlen, Kräutermühlen...

Diese Anwendungsvielfalt hat in der englischen Sprache seinen Niederschlag gefunden, in der mit dem Begriff „Mill“ nicht einfach die „Mühle“, sondern die „Fabrik“ schlechthin gemeint ist.

 

Jahrtausendelang wurde Getreide mittels Steinen zu Mehl gemahlen. Einen radikalen Wandel erfuhr diese Technik

dann allerdings im 19. Jhdt. durch die Erfindung des Walzenstuhles. Der sprunghaft angestiegene Brotbedarf in den Großstädten und die absehbare völlige Ausbeutung der wenigen geeigneten Steinbrüche ließ eine andere, wirtschaftlich bessere Mahltechnik immer notwendiger erscheinen...und brachte die Steinmüllerei damit innerhalb weniger Jahrzehnte fast zum Erliegen.

 

Das endgültige Ende der Wind- und Wassermühlen trat im Zuge der Industriellen Revolution durch die  Erfindung der Dampfmaschine, des Verbrennungsmotors und des Elektromotors ein. Industrielle Großmühlen bildeten mit ihrer um ein Vielfaches größeren Ausbaukapazität eine übermächtige Konkurrenz und verdrängten mehr und mehr die kleinen klassischen Handwerksmühlen, so dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem „Mühlensterben“ kam.

Unser Mühlen-Wissen haben wir unter anderem aus den angeführten Quellen zusammen getragen,deren Richtigkeit können wir nicht garantieren ;)

Otto Streng: Unser täglich Brot

Benedikt Bilgeri: Der Getreideanbau im Lande Vorarlberg

Hermann Gleisberg: Das kleine Mühlenbuch

Karin Renold, Franziska Rüttimann, Eva Dietrich: Ohne Mühle kein Brot

Carl Dirnbacher & Regina Danov: Die Dirnbacher Mühle, ein Industriedenkmal zum Anfassen

Kurt Derungs: Die Seele der Alpen

Richard Beitl: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes

 

https://www.wikipedia.org

https://kurier.at/freizeit/mit-der-energie-des-wassers-auf-der-suche-nach-muehlen-in-oesterreich

http://www.muehlenreise.at/allgemeines/index.html

 

www.muehlenfreunde.at

 

www.noe-gestalten.at/fachbeitrag/wassermuehlen

 

https://austriaforum.org/af/Wissenssammlungen/ABC_zur_Volkskunde

https://www.planet-wissen.de/kultur/architektur/muehlen/index.html

 

http://www.trebnitzgrund.de/Glueck.html

http://www.falkenmuehle.eu/funktionsuebersicht.htm

 

Eva Gogala, Rezension zum Buch "Alte Mühlen in Österreich"

https://www.bibliothekderprovinz.at/buch/6335/

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