Der Müller ist ein adlig Kind,
ihm sind gehorsam Wasser und Wind.

Die Müllerei ist eines der ältesten Gewerbe der Menschheit. Im frühen Mittelalter befanden sich die meisten Mühlen zunächst im Besitz einer Dorfgemeinschaft. Als sich Adel und Kirche aber zunehmend in den Besitz des Bodens brachten, galt: „wessen der Grund ist, dessen ist die Mühle“. Und so wurden immer mehr Einrichtungen wie Mühlen, Backöfen, Weinkelter und Brauereien von weltlichen und geistlichen Grundherren betrieben. Die aufwändige Errichtung und Instandhaltung einer Wassermühle wäre von einem einzelnen Bauern auch nicht zu leisten gewesen. Wasserrechte und Wasserbau, Gebäude und teure Mühlsteine waren dazu nötig. So wurde Getreide mahlen zum "Herrenrecht" und entwickelte sich zu einem Banngewerbe, d.h. die umliegenden Bauern waren gezwungen, ihr Korn in der Mühle der Herrschaft verarbeiten zu lassen, obwohl die meisten über ein eigenes Feld verfügten. Nur der Müller hatte jedoch das Recht, zu mahlen. Hielten sich andere nicht an diese Vorschrift und mahlten ihr Korn selbst, mussten sie mit sehr hohen Strafen rechnen. Nur in abgelegenen Tälern war es möglich, dies zu umgehen.

Die Einhaltung des Mahlzwanges wurde durch das Kerbholz überwacht. Von einem Holzscheit, der in der Mitte gespalten wurde, bekam die eine Hälfte der Mahlgast, die andere der Müller. Brachte der Bauer sein Getreide zur Mühle, so wurde für jeden Scheffel über beide Hälften Kerben geschnitten. Die Redensart „etwas auf dem Kerbholz haben“, hat sich seither erhalten.

Jeder wusste, dass man sie brauchte. Ohne Müller keine Mühle, ohne Mehl kein Brot. Trotzdem war sein Ruf nicht immer der beste. Weil er anders war. Dass sich Mühlen oft abseits der Siedlungen befanden und mitunter Tag und Nacht geräuschvoll arbeiteten, war den braven Bauern ein wenig unheimlich. Sagen von Teufels- Herrgotts- oder Hexenmühlen zeugen noch heute davon. Im übertragenen Sinn sprach man von Wundermühlen, die Gold mahlen, oder "Altweibermühlen" mit verjüngender Wirkung. Da man ohnehin nicht viel von Technik verstand, konnte es bei diesen geheimnisvollen Mechanismen nur mit dem Teufel zugehen.

 

Dabei war vom Geschick des Müllers, von seiner Erfahrung und dem Können das erfolgreiche Klappern der Mühle abhängig. Überall im Anwesen waren die Geräusche der Mahlgänge hör- und fühlbar: Rütteln, Schütteln, Knarren, Knirschen, Klopfen ... Schon im Voraus hörte das geübte Ohr des Müllers, wenn Unheil drohte. War zuwenig Korn in der Speisevorrichtung, ertönte eine Glocke, ließ die Qualität des Mehles nach, mussten  die Mühlsteine neu bearbeitet werden. Wenn das Mühlrad sich unregelmäßig drehte, musste das Wasser reguliert werden. Über ankommendes Korn und abgeliefertes Mehl und die Kleie wurde genau Buch geführt. Ein gutes Mehl erforderte mindestens 7 Mahlgänge - 7mal wurde das gleiche Mahlgut in Säcken wieder nach oben getragen...der Müller kam somit nur selten zur Ruhe. Um diesen Pflichten uneingeschränkt nachgehen zu können, waren Müller und häufig auch die Gesellen von anderen Diensten, wie dem Kriegsdienst befreit.

Der Scheffel ist ein altes Raummaß, das zur Messung von Schüttgütern wie z. B. Getreide benutzt und deshalb auch Getreidemaß genannt wurde. Die Größe eines Scheffels schwankte jedoch nach Land und Region und war sehr unterschiedlich. So sind Maße zwischen 17,38 und 310,25 Liter dokumentiert.

In Vorarlberg entsprach 1 Scheffel Korn etwa 100 Litern.

Aus jedem Scheffel Getreide stand dem Mahlgast ein gehäufter Scheffel Mehl zu und ein viertel Scheffel Kleie. Der Lohn des Müllers war die „Metze“, der sechzehnte Teil des Getreides.

Obwohl die Bezahlung genau festgelegt war, mussten die Bauern darauf vertrauen, die richtige Menge Mehl zurückzubekommen, denn diese brachten ihr getrocknetes Korn meist ungewogen in Säcken. Nicht zuletzt auf dieses Gefühl des Ausgeliefertseins begründet sich der Ruf der Müller als unehrliche und hinterlistige Gestalt...so wie der Müller aus dem Grimm’schen Märchen „Rumpelstilzchen“, der vorgab, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen und damit das arme Mädchen beinahe dem Teufel auslieferte.

 

Die Müllerburschen verbrachten die drei-jährige Lehrzeit als Mitglied der Meisterfamilie in deren Haus und saßen an ihrem Tisch. Der Meister hatte dem Lehrling aber nicht nur die Kenntnisse und Fähigkeiten des Handwerks zu vermitteln, ihn zu verköstigen und zu kleiden, sondern seine gesamte Erziehung im Sinne des Handwerks zu einem „ehrlichen Gesellen“ zu überwachen. Die Belohnung erfolgte in Realien und in Geld. Nach Abschluss seiner Lehrausbildung musste jeder ehrliche Gesell eine bestimmte Anzahl von Wanderjahren ausüben, um den begehrten Titel MEISTER zu erlangen. Bei einer feierlichen Zeremonie begann für den freigesprochenen „Junggesellen“ die viel besungene Wanderzeit.

Der junge Handwerker sollte noch andere Mühlen und Meister kennen lernen, um sich in seinem Fach zu vervollkommnen. Der wandernde Mühlgesell begab sich auf die „WALZ“. Laut Generalhandwerksordnung von Kaiser Karl VI. von 1732 wurde die Wanderzeit mit 4 Jahre festgesetzt.

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